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Tipps für richtiges Heizen und Lüften

Man sollte annehmen, dass man beim Heizen und Lüften nicht viel falsch machen kann. Großer Irrtum. Die einen heizen zu wenig und riskieren damit Schimmelbildung. Die anderen heizen zu viel und tun damit ihrer Gesundheit auch nichts Gutes.

Zwar fühlt sich jeder Mensch bei einer anderen Temperatur wohl, als Richtwert für alle kann aber gelten: 20 bis 22 Grad in Wohnräumen sind ideal, im Schlafzimmer darf es kühler sein. Wer es besonders kuschelig mag, sollte bedenken: Jedes Grad weniger bringt sechs Prozent Energieeinsparung.

Gleichmäßig durchheizen.

Aus falscher Sparsamkeit drehen viele die Heizung in der Früh ab. Ist es im Winter sehr kalt, sollte man aber lieber gleichmäßig durchheizen. Denn das ständige Auf und Ab begünstigt die Schimmelbildung. "Man sollte die Temperatur nicht zu stark absenken", sagt auch Ignaz Röster, Energieexperte bei der Umweltberatung Niederösterreich. "Einen Teil der Energie, die man dadurch einspart, braucht man sonst ohnehin am Abend zum Aufheizen."

Doch es kommt nicht nur auf den richtigen Wärmegrad an. "Für Temperaturen haben wir ein gutes Gespür, für Feuchtigkeit weniger. Man sollte daher nicht nur ein Thermometer, sondern auch ein Hygrometer im Haus haben", sagt der Umweltberater. Letzteres misst die Luftfeuchtigkeit und diese sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen.

"Lüftet man zu viel, kann es zu trocken werden. Aber die meisten haben das gegenteilige Problem: Die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch", so Röster. Gibt es Wärmebrücken, kann es an den kühleren Bauteilen zu Schimmelbildung kommen, weil an diesen Stellen die Feuchtigkeit kondensiert.

Gut lüften.

Maßnahme Nummer eins: Gut lüften. Das Fenster zu kippen, hat im Winter keinen Sinn. Zumindest in der Früh und am Abend sollte man für einige Minuten kräftig durchlüften. "Je höher der Temperaturunterschied, umso schneller geht der Luftaustausch. Bei kalten Temperaturen genügen also ein paar Minuten – je nachdem wie groß die Räume und die Fenster sind", so Röster.

Im Neubau haben auch viele mit Kondenswasser am Fenster zu kämpfen. Denn während es in alten Häusern mit den klassischen Doppelfenstern einen natürlichen Luftaustausch gibt, sind die modernen Fenster zu dicht.

Zwar gibt es mittlerweile Fensterheizungen, die den Randbereich der Scheibe erwärmen und damit die Entstehung von Kondenswasser verhindern, aufgrund des Stromverbrauchs raten aber viele Energieexperten davon ab. "Das tägliche Abwischen bleibt einem nicht erspart. Geschlossene Jalousien und Vorhänge können das Problem verstärken, weil dadurch weniger Raumwärme bis zum Fenster kommt", erklärt Röster.

Ideal wäre eine gute Lüftungsanlage. Durch den ständigen Luftaustausch würde auch die Feuchtigkeit abtransportiert. Im Neubau schon fast selbstverständlich, kann man eine kontrollierte Wohnraumbelüftung auch nachträglich einbauen lassen.

Doch die wenigsten nehmen diese Mühe auf sich. Und es ist nicht billig: "Je nach Größe von Haus oder Wohnung muss man mit 8000 bis 15.000 Euro rechnen", so Röster. "Es gibt Lüftungstechniker, die an einer rohrlosen Belüftungsanlage arbeiten, aber das ist noch in der Experimentierphase und wird noch ein paar Jahre dauern.

Selbst wenn es gelingt, wird man zumindest an ein paar Stellen der Wand durchbrechen müssen. Man muss schließlich die frische Luft irgendwie ins Haus und die verbrauchte Luft nach draußen bringen."

Wie viel heizen ist gesund?

Ein Interview mit dem Umweltmediziner und Landschaftsökologe Hans-Peter Hutter, Mitarbeiter am Institut für Umwelthygiene an der MedUni Wien.

Wenn es draußen kalt ist, soll es drinnen schön warm sein. Aber welche Temperatur ist gesund?

Hans-Peter Hutter: Im Wohnraum sollte es zwischen 20 und 22 Grad haben, im Schlafraum reichen 17 bis 18 Grad. Auch 19 Grad sind nicht ungesund, aber viele heizen auf 25 oder 26 Grad hinauf. Das ist definitiv zu viel. Außerdem muss es ein Gleichgewicht zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit geben. Die Behaglichkeitsgrenze liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Wenn es feuchter oder trockener ist, kann das gesundheitsschädigende Folgen haben.

Was passiert, wenn die Luft zu feucht oder zu trocken ist?

Wenn es zu trocken ist, spüren wir das an den Schleimhäuten der oberen Atemwege: Man bekommt eine trockene Nase und trockene Augen. Wenn die Schleimhäute austrocknen, ist die Selbstreinigung beeinträchtigt. Schadstoffe haben dann eine höhere Reizwirkung, weil die Schleimhäute empfindlicher sind. Hohe Temperaturen in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit drücken auf den Kreislauf und beeinträchtigen das Wohlbefinden. Zu Hause soll man sich aber erholen können. Wir brauchen hier ein förderliches Klima und nicht eines, das unser Wohlbefinden beeinträchtigt. Außerdem kann bei zu hoher Luftfeuchtigkeit Schimmel entstehen und Schimmelpilz kann Infektionen verursachen. Das Hauptproblem ist aber, dass Schimmel eine allergisierende Wirkung hat, also das Allergierisiko erhöht.

In den vergangenen Wochen war viel vom Feinstaub die Rede. Darf man lüften, wenn die Grenzwerte überschritten sind?

Grundsätzlich muss man vier bis fünf mal täglich lüften, um Schadstoffe, die Bodenbeläge, Anstriche, Farben und nicht zuletzt die wir selbst abgeben, hinauszubekommen. In Wien waren wir zwei bis drei Wochen mit Hochnebel und dem Feinstaub-Problem konfrontiert. Das war aber eine Ausnahmesituation, in der man einfach einen Kompromiss finden muss: Man wird dann eben nicht gerade in der Zeit der höchsten Belastung das Fenster aufmachen. Wer Fenster an der Straßenseite des Hauses hat, sollte nicht lüften, wenn gerade viel Verkehr ist, sondern früh am Morgen oder spät am Abend. Wenn es möglich ist, sollte man nach hinten raus lüften, wo man weniger Schadstoffe vermutet. Die Fenster wochenlang gar nicht aufzumachen, ist aber sicher keine Lösung.

Quelle: Horvath, Ursula: „Tipps für richtiges Heizen und Lüften“. Im: Kurier. Stand: 03.12.2011. http://kurier.at/multimedia/bilder/4462658.php (abgerufen am 06.12.2011)